dauerhafte Erhöhung des Spannungszustandes von Muskeln, die durch passive, v. a. ruckartige (Dehn-)Bewegungen zusätzlich verstärkt werden kann. Meist sind gleichzeitig die Muskeleigenreflexe der betroffenen Gliedmaßen gesteigert auslösbar.
Ursache: Der Entstehungsmechanismus ist nicht ganz geklärt. Es wird eine Schädigung pyramidenbahnnaher Nervenbahnen angenommen. Eine Spastik tritt typischerweise auf bei Lähmungen infolge eines Schlaganfalls, eines Querschnittssyndroms, eines Schädel-Hirn-Traumas und der multiplen Sklerose.
Befund: Die Muskelspannung erhöht sich massiv, sobald ein Muskel gedehnt wird. Wenn z. B. der Betroffene seinen Arm in leicht gebeugter Haltung entspannt auf eine Unterlage legt, eine zweite Person seinen Arm dann im Ellenbogengelenk beugt, kommt es zunächst zu einem erheblichen Widerstand gegen die Bewegung durch die angestiegene Muskelspannung. Im weiteren Verlauf der Bewegung lässt die Muskelspannung wieder nach und der Arm kann mühelos gebeugt werden (Taschenmesserphänomen). Charakteristisch ist die Steigerung der Muskeleigenreflexe. Die Spastik wird auch durch unspezifische Reize wie z. B. Schmerzen, gefüllte Blase, Angst oder emotionale Erregung verstärkt sowie durch vermehrte Aktivität der gesunden Gliedmaße (z. B. Krafttraining mit dem nicht gelähmten Arm bei Halbseitenlähmung). Eine stark ausgeprägte Spastik kann durch die Einschränkung der Beweglichkeit schließlich zu Gelenkversteifungen führen.
Behandlung: Die Behandlung erfolgt durch Krankengymnastik nach dem Bobath-Konzept. Medikamente (z. B. Baclofen) können eine gewisse Besserung bringen. In schweren Fällen können vierteljährliche Injektionen von Botulinustoxin in die betroffenen Muskeln erfolgen; bei schwerer Spastik beider Beine (Paraspastik) kommt eine kontinuierliche Gabe von Baclofen in den Rückenmarkskanal mittel einer implantierten Pumpe infrage.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 26.03.2012
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